Man kann diesen Trip auch ohne Vorbereitung machen, aber ich habe mich im Vorfeld doch an der ein oder anderen Stelle informiert…
Auf der Seite von Nordlandblog erfährt man alles wissenswerte für eine Reise in die Skandinavischen Länder. Ob Routen-Empfehlungen, Einreisebestimmungen, Landschafts- und Wandertipps, hier findet sich fast alles was das Herz begehrt.
Es gibt zahlreiche, sehr gut erschlossene Touristenrouten, die man sich detailliert auf der deutschsprachigen Seite Norwegens Landschaftsrouten anschauen kann. Meiner Meinung nach unverzichtbar für die Routenplanung.
In meinem Fall durfte natürlich auch die APP Park4Night nicht fehlen. Hier findet man viele Tipps für Parkmöglichkeiten in der Natur, aber auch in Großstädten wie Stockholm, Kopenhagen, Oslo oder Göteborg. Oft parkt man einfach am Stadtrand oder im Hafengebiet und ist dann ruckzuck in der Innenstadt.
Danach habe ich mich auf diversen Webseiten mit meinem Fahrzeug registriert, um eine einfache und auch günstige Möglichkeit der Fortbewegung zu haben:
- Registrierung auf SkytellPASS , um einen sogenannten Transponderbox zu kaufen. Diese Lieferung (mit Umweg über das Zollamt in Freiburg) dauerte knapp 2 Wochen. Man bekommt hier dann eine eindeutige ID, diese ist für folgende Punkte wichtig…
- Registrierung/Verknüpfung der ID auf Autopass Ferje, um auf den meisten Fähren in Norwegen nur ca. die Hälfe zu zahlen. Dies ist ein PrePaid Konto, welches ich in meinem Fall mit 2000 Norwegischen Kronen aufgeladen habe. Verbraucht habe ich aber nur um die 500 NOK da die meisten inländischen Fähren in Norwegen mittlerweile kostenlos sind, also man kann das u.U. auch mit weniger Aufladen. Aber Achtung, wenn „leer“ dann bekommt man bei einer Überfahrt keine Rabatte und die Buchung wird über den SkytelPASS abgerechnet (da die Konten ja verknüpft sind).
- Da ich mich wegen der Flexibilität für die Überfahrt über die Brücken nach Skandinavien entschieden habe gab´s noch einen Account für die Öresundbrücke. Dieser ermöglicht die einfache Durchfahrt an den Mautstellen in der „Kennzeichenspur“. Wer innerhalb eines Jahres mindestens 2x rüber fährt der schließt am besten noch ein Jahres-ABO ab (ÖresundGO), denn dann wird´s deutlich günstiger. Aber kündigen nicht vergessen… Ich hab mir einfach nach 11 Monaten einen Reminder gesetzt und erst mal „pausiert“!
- Ihr solltet auch unbedingt die APP EasyPark installieren, in den nordischen Ländern werden Parkgebühren häufig nur mit dieser Handyapp bezahlt. Ist auch recht einfach, man wählt den Standort aus, gibt z.B. 3 Stunden Parkdauer an, und wenn man vorher zurück ist kann man den Parkvorgang einfach stoppen. Genauso besteht die Möglichkeit unterwegs einfach die Parkdauer zu verlängern. Diese Möglichkeit der Zahlung wird mittlerweile auch in Deutschland immer öfters angeboten.
- Wer unterwegs auf Ferienunterkünfte zurückgreifen möchte findet auf der Seite von FINN ein äquivalent zu AirBNB.
- Zur Navigation habe ich mir im Vorfeld auf Google Maps diverse Punkte gesetzt und ausschließlich die entsprechende APP am Handy benutzt: Norwegen allgemein, Lofoten, Touristenrouten Helgelandsküste und Atlantikroute sowie speziell als „Geheimtipp“ die Insel Senja. Daneben gibt´s noch Listen für Schweden und Dänemark, wo ich natürlich auch durchgefahren bin. PS: Diese Listen werden auch immer wieder von mir erweitert, also speichert Sie Euch gerne ab.
Und dann ging es am 30.05.2024 los:

Von Müllheim im Markgräflerland ging es mit Ziel Nordkap über die A5 / A7 und Frankfurt, Kassel, Hannover und Hamburg an den Grenzübergang zu Dänemark in der Nähe von Flensburg. Ab da wurde der Stresslevel schlagartig weniger, in den nordischen Ländern ist das Autofahren einfach entschleunigt.
Die erste große Brücke war die Lillebaeltsbrücke vom dänischen Festland rüber auf die 3. größte Insel Fyn, die im Zentrum als größte Stadt Odense beherbergt. Diese 1. Brücke war noch kostenlos. Danach ging es von Nyborg rüber über die kostenpflichtige Storebaeltsbücke (Abrechnung über Öresund-Account) auf die größte Insel Seeland, worauf die Hauptstadt Kopenhagen liegt. Diese wollte ich erst auf dem Rückweg besuchen, so das es schnurstracks über die Kombination Drogdentunnel/Örseundbrücke zum Grenzübergang nach Schweden bei Malmö ging. Hier suchte ich mir nach ungefähr 14 Stunden fahrt einen kleinen Jachthafen aus wo man über Nacht ruhig und sicher stehen konnte.

Am 2. Tag frühmorgens um 07:00 Uhr ging es los, von hier ab nur noch nordwärts…Ein Teil auf der E6 an Malmö und Helsingborg vorbei, und dann Querfeldein durch Schwedens Wälder auf der E4 an Jönköping, Linköping und Norrköping vorbei nach Stockholm. Schwedens Hauptstadt umfasst 14 Inseln die durch mehr als 50 Brücken verbunden sind. Nicht umsonst nennt man Sie auch Venedig des Nordens. Geparkt habe ich im Hafengebiet gegenüber des Zentrums. In knapp 5 Stunden habe ich mir so einiges angesehen, von der Altstadtinsel Gamla Stan mit Gebäuden aus dem 17. und 18. Jahrhundert und dem Königlichen Schloss, rüber zum „Reichstag“ bis hin zum Stockholmer Stadthaus. In der Stadt kann man sicherlich auch 2-3 Tage verweilen, aber mich zieht es weiter, schließlich muss ich ja noch einen Übernachtungsplatz finden. Knapp 200km nördlich lande ich in der Nähe von Gävle auf einem Waldparkplatz an einem Sportgelände. Hier bin ich nicht alleine, da ein Wohnmobil aus Deutschland in Sichtweite zu mir steht. Was mir nicht gefällt ist die erste Begegnung mit der „schwedischen Armee“; Mücken über Mücken, krass.

Das schöne am Alleine Reisen ist man kann aufstehen wann man will…also ging´s am 3. Tag wieder früh morgens los, immer der E4 entlang, immer weiter Richtung Norden. Entlang der Schwedenautobahn gibt es einige größere Städte wie z.B. Umeá, die auch Stadt der Birken genannt wird, nachdem im Jahr 1888 ein verheerendes Feuer wütete und 3000 Birken neu gepflanzt wurden.
110km südlich des Polarkreises liegt Luleà. Die Gemeinde mit mehr als 75.000 Einwohnern bildet die nördlichste größere Ansiedlung am bottnischen Meerbusen.
Als Übernachtungsplatz habe ich mir heute zum ersten Mal einen Campingplatz ausgesucht. Wunderschön an der Ostsee gelegen und in absoluter Ruhe kann man hier schön die Gezeiten anschauen. Und eine Dusche tut echt gut…

Am 4. Tag, den 02.Juni überquere ich irgendwo im Nirgendwo den nördlichen Polarkreis. Ab jetzt wird´s nicht mehr richtig dunkel werden, die Mitternachtssonne geht von ca. Ende Mai bis Mitte Juli nicht mehr hinter dem Horizont unter.
Irgendwann führt mich die Route über eine Grenzbrücke nach Finnland. Damit habe ich echt nicht „gerechnet“, zumal kurz nach der Flussquerung direkt die ersten Rentiere mitten auf der Straße stehen. Okay, das war ein Schreck. Ab hier wird vorsichtiger gefahren, wobei ich jetzt am Anfang der Reise bei jeder Sichtung in die Bremsen latsche, was sich aber während der Reise immer mehr zu einem einheimischen Fahrstiel ändert: Etwas vom Gas gehen und vorbeirollen mit 70km/h ist dann die Devise.
Weiter geht es auf der E45 auf holpriger Straße mit extremen Querverwerfungen die den Stoßdämpfern alles abverlangen wieder zurück noch Norwegen. Bei Alta an der Küste biegen wir auf die E6 ab, immer weiter Richtung Tagesziel Nordkap. Die letzten 200km ziehen sich ganz schön. Immer wieder vorbei an atemberaubenden Küstenabschnitten, über Hochebenen und wieder hinunter auf Meereshöhe gelangen wir durch den Nordkaptunnel, der mit knapp 7km Länge und einer Tiefe von 212m unter dem Meeresspiegel ein beeindruckende Ingenieursleistung darstellt, auf die Insel Mageroya, die umgangssprachlich auch Nordkapinsel genannt wird. Um 20:45 Uhr biege ich um die letzte Kurve auf das Ziel zu. Endlich sehe ich die Nordkaphalle mit Ihrer charakteristischen Kuppel. Auf dem Parkplatz ist nur die „erste Reihe“ belegt, so dass ich mich mit meinem kleinen Ford einfach dazwischen quetschen kann.
Natürlich muss ich als erstes noch zum Globus. Ein unbeschreibliches Glücksgefühl durchfährt mich. Endlich geschafft. Meine Freude teile ich bei einem Familien-Video-Chat mit meinen liebsten, die in der Heimat um mich bangten.